Zwischen 1923 und 1930 baute die sozialdemokratische Stadt am ehemaligen Draschegürtel in Margareten eine Kette von Gemeindebau-Superblocks. Geh vom Franz-Domes-Hof von Peter Behrens vorbei am monumentalen Reumannhof von Hubert Gessner und am Metzleinstaler Hof, dem Prototyp des Wohnbaus im Roten Wien, zu den Zwillingshöfen von Aichinger und Schmid, mit einem Abstecher über den Gürtel zum Park, in dem Joseph Haydn zuerst begraben wurde.
Beste Zeit: Tagsüber an einem Wochentag oder Samstag; in den Höfen wohnen Menschen, also geh leise hindurch und nur dort, wo die Tore offen stehen.
Die Route, Station für Station
- 1Franz-Domes-Hof
Margaretengürtel 126-134. 1928-1930 nach Plänen von Peter Behrens erbaut (eröffnet am 28. Juni 1930), 176 Wohnungen und ein Kindergarten. Achte auf den Straßenhof, die senkrechten Stiegenhaustürme gegen die waagrechten Balkone und Mario Petruccis Figur 'Der Lichtbringer' beim rechten Eingang mit der Inschrift 'Licht in der Wohnung - Sonne im Herzen'. 10 Min.
- 2Reumannhof
Margaretengürtel 100-110. Hubert Gessners symmetrischer Superblock (1924-1926, eröffnet am 27. Juni 1926), benannt nach Bürgermeister Jakob Reumann, dessen Büste im Vorhof steht. Der Mitteltrakt war mit 40 m als erstes Hochhaus Österreichs geplant. Majolikatafeln mit Handwerksberufen schmücken die Durchgänge. Am 12. Februar 1934 stürmten Polizei und Bundesheer den Bau und brachen den Widerstand des Schutzbundes. 15 Min.
- 3Haydnpark
Auf der anderen Seite des Gürtels in Meidling. 1926 auf dem aufgelassenen Hundsturmer Friedhof angelegt, wo Joseph Haydn begraben wurde; sein originaler Grabstein steht in einer Ecke, und eine Tafel markiert das frühere Grab. Der Blick zurück über die Straße zeigt die ganze Fassade des Reumannhofs. 10 Min.
- 4Metzleinstaler Hof
Margaretengürtel 90-98. Von Robert Kalesa während des Ersten Weltkriegs begonnen, aus Geldmangel gestoppt und 1923-1925 von Hubert Gessner als geschlossener Hof mit 252 Wohnungen vollendet. Er gilt als Prototyp des Gemeindebaus im Roten Wien, als erster echter Gemeindebau. 10 Min.
- 5Herweghhof
Margaretengürtel 82-88. Von Hermann Aichinger und Heinrich Schmid (1926/27), benannt nach dem Dichter Georg Herwegh. Terrassen steigen zur Siebenbrunnenfeldgasse an, Arkaden säumen das Erdgeschoss, und der Garten erinnert an einen Barockpark. Zwischen ihm und dem Julius-Popp-Hof steht Hanna Gärtners Brunnen von 1928 mit den Tierkreiszeichen und einer Bärin mit ihrem Jungen. 10 Min.
- 6Julius-Popp-Hof
Margaretengürtel 76-80. Das spiegelbildliche Gegenstück zum Herweghhof, von denselben Architekten (1925/26), mit einem öffentlichen Garten und einem Brunnen von Theodor Igler davor. 5 Min.
- 7Matteottihof
Siebenbrunnenfeldgasse 26-30, hinter den Gürtelhöfen. Aichinger und Schmid, 1926, benannt nach dem italienischen Sozialisten Giacomo Matteotti, der 1924 von Faschisten ermordet wurde; nach dem Februar 1934 hieß er kurz 'Giordanihof'. Er hatte eine Zentralwäscherei, ein Tröpferlbad und ein alkoholfreies Restaurant. Schau dir die Tafel am Durchgang zur Fendigasse und das Mutter-Kind-Sgraffito in der Fendigasse 31 an. 15 Min.
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